JOHANNES FLEISCHMANN, Violine
PHILIPP SCHEUCHER, Klavier
BENNO URE, Moderation
Der Erste Weltkrieg brachte auch ein friedliches Virus nach Europa: ein „musikalisches“. Kurt Weill: „Der Jazz erschien mitten in einer Zeit gesteigerter Artistik als ein Stück Natur, als gesundeste, kraftvollste Kunstäußerung …“ Die Protagonisten der Avantgarde sind elektrisiert.
Igor Strawinsky lässt sich Noten aus New York kommen. Er schafft einen Ragtime und „Die Geschichte vom Soldaten“. Erwin Schulhoff tanzt nächtelang ekstatisch zu Musik von Jazzcombos und lässt wissen: „Ich habe als Erster in Europa den Kunst-Jazz geschaffen, vor Ravel, Hindemith und Krenek.“
Shimmys, Ragtimes und der Blues halten Einzug in Opern, Symphonien und die Kammermusik. In Wien schaffen Wilhelm Grosz und Ernst Krenek mit einer Melange aus Eigenem und dem Jazz – nicht selten angefeindete – Sensationen. In Berlin avanciert Stefan Wolpe mit hämmernden Rhythmen zum Enfant terrible, George Antheil zum „Bad boy of music“. Darius Milhaud, Artur Arthur Honegger und Alexandre Tansman werden mit Jazzelementen zu Helden der Neuen Musik Frankreichs.
Kaum mehr als eine Dekade vergeht und die Naziherrschaft verbietet ihre Musik. Der Jazz ist „entartet“. Viele der „Jazzer“ verlassen Europa oder werden ermordet.
Dieses Konzert ist eine Hommage an Protagonisten einer einzigartigen Zeit der Innovationen. Sie ließen sich begeistern und stimulieren. Ihre Faszination ist die unsere.
Die Veranstaltung basiert auf Ideen und Recherchen von Benno Ure und Hartmut Krones und wird ausgeführt in Zusammenarbeit mit der Universal Edition Wien.


