Der Bauunternehmer und Bürgervorsteher Ferdinand Wallbrecht realisierte ab 1885 seinen Plan für eine Prachtstraße am Rand der Eilenriede in Hannover. In diesem Zuge entwickelte sich die Hohenzollernstraße zu einer vornehmen Adresse mit imposanten Villen. Von 1904 bis 1906 ließen sich Siegmund Seligmann und seine Frau Johanna dort ein Haus mit großzügiger Gartenanlage errichten. Als Architekten wählten sie Hermann Schaedtler (1857-1931).
STILVIELFALT & REPRÄSENTATION
Schaedtler schuf mit dem Gebäude in der Hohenzollernstraße 39 eine großbürgerliche Villa mit Elementen unterschiedlicher Epochen, von der Neorenaissance bis hin zum Jugendstil. Der in Marmor ausgekleidete Eingangsbereich führt in das Treppenhaus, das Herrenzimmer sowie in den heutigen Konzertsaal, einen zweigeschossigen Raum mit detaillierten Schnitzereien und durchfensterter Galerie im Obergeschoss. Hier fand, wie Bilder aus der Anfangszeit der Villa zeigen, früher das gesellschaftliche Leben statt. Auch die beiden an die „Große Halle“ angrenzenden Räume – der Damensalon und das Esszimmer – werden heute als Zuschauerraum für Veranstaltungen genutzt.
Während die Räume im Erdgeschoss zu repräsentativen Zwecken genutzt wurden, waren im ersten Stock die Privaträume der Familie Seligmann untergebracht. Diese Räume dienen heute als Ausstellungs- und Büroräume. Besonders hervorzuheben ist das ehemalige Wohnzimmer von Seligmanns Sohn Edgar, in dem das Portrait Seligmanns, 1910 gemalt von Max Liebermann, als Dauerleihgabe ausgestellt ist. Das zweite Obergeschoss der Villa wurde für Gäste und Bedienstete genutzt.
VOM PRIVATHAUS ZUR ÖFFENTLICHEN NUTZUNG
Nach Siegmund Seligmanns Tod im Jahr 1925 erlebte die Villa Seligmann eine bewegte Geschichte. Sein Sohn Edgar Seligmann schenkte das Haus 1931 der Stadt Hannover und verkaufte das Grundstück für 60.000 Reichsmark. Das Inventar wurde versteigert, das Gebäude durch mehrere Nutzer immer wieder umgebaut und angepasst. Eine Zeit lang wurde es als Museumsdepot und sogar von der Wehrmacht genutzt, später war das Landesernährungsamt dort untergebracht. Bis 1972 beherbergte die Villa Seligmann das Musikkonservatorium Hannover, die spätere HMTMH, bis diese in den Neubau am ehemaligen Emmichplatz, heute Neues Haus, umzog. Im Anschluss daran war sie die Heimat der städtischen Musikschule.
2006 erwarb die Siegmund Seligmann Stiftung das Gebäude von der Stadt Hannover und ließ es 2010 bis 2012 umfassend restaurieren. Durch die großzügige Unterstützung von Förderern und engagierten Mitgliedern der Siegmund Seligmann Stiftung konnte dieses ambitionierte Projekt erfolgreich abgeschlossen werden.
Die Restaurierung der Villa spiegelt eine tiefgreifende Verpflichtung zur Bewahrung und Rekonstruktion eines bedeutenden kulturellen Erbes wider. Die Arbeit des Restaurierungsteams wurde mit dem Bundespreis für Handwerk in der Denkmalpflege ausgezeichnet.
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Fotos: © Bildarchiv Foto Marburg / Thomas Scheidt