Im Jahr 1906 schmückte Ferdinand Wagner (1847-1927) das prächtige Treppenhaus der Villa Seligmann in Hannover mit fünf neobarocken Allegorien, genannt „Die fünf Sinne des Menschen“. 1931 wurden die Gemälde versteigert. Im Hause des neuen Besitzers fielen die Ölgemälde „Fühlen“ und „Riechen“ (s. links) der Kriegszerstörung zum Opfer. Ein knappes Jahrhundert prägte die Abwesenheit der fehlenden Elemente die “Große Halle” der Villa Seligmann, bis 2023 die drei verbliebenen Sinne zurückgekauft und an die Originalschauplätze gehängt werden konnten.
2025 griff der Künstler Avi Albers Ben Chamo diese Geschichte mit TOUCH auf – einem Kunstwerk der Begegnung und der Interaktion. Präsentiert wurde TOUCH in der Villa Seligmann während der der Nacht der Museen 2025. Das Kunstwerk beschäftigt sich mit Fragen körperlicher Präsenz und sinnlicher Wahrnehmung. Zugleich lenkt es den Blick auf die historischen Lücken, die durch die verschwundenen Gemälde entstanden sind.
Mit The Perfume Portraits erweitert nun Ben Chamo die Malerei über das rein Visuelle hinaus, indem Duft als künstlerisches Medium eingesetzt wird. Geruch wird dabei Teil des Werkes selbst und entfaltet sich in Raum und Zeit. So entsteht eine Atmosphäre, in der Erinnerung, Wahrnehmung und Gegenwart miteinander in Beziehung treten. Die Ausstellung lädt dazu ein, Malerei als etwas zugleich Körperliches und Flüchtiges zu erfahren.
“Painting has nothing to do with paintings,” bemerkt Ben Chamo. Getreu dieser Haltung kehrt das verlorene Element nicht durch das Sehen zurück, sondern durch den Geruch.
Mit The Perfume Portraits interpretiert der Künstler die Abwesenheit der Werke als zeitgenössische sinnliche Erfahrung neu. Auf diese Weise verbindet die Ausstellung Vergangenheit und Gegenwart und verwandelt eine fragmentierte Geschichte in eine lebendige und immersive Begegnung.