14.01.2021
18:00 Uhr



+++ ver­scho­ben vom 29. Okto­ber 2020 +++

Aus aktu­el­lem Anlass kön­nen wir das Kon­zert nur auf dem digi­ta­len Wege zu Ihnen brin­gen. Die Auf­zeich­nung des Pro­gramms kann aus orga­ni­sa­to­ri­schen Grün­den erst am Kon­zert­tag erfol­gen. Das Strea­ming wird vor­aus­sicht­lich am Sonn­tag, 17. Janu­ar 2021 abruf­bar sein. Kar­ten­in­ha­ber, die Ihre Kon­takt­da­ten bei uns hin­ter­legt haben, erhal­ten eine per­sön­li­che Benach­rich­ti­gung und den Link zum Video-Strea­ming. Wenn Sie kei­ne Kar­te gekauft haben, das Kon­zert aber gern sehen möch­ten, schrei­ben Sie uns bit­te eine E‑Mail!

 

Trio­kon­zert und Podiumsdiskussion

Tehi­la Nini Gold­stein (Sopran)
Julia Rebek­ka Adler (Vio­la)
Jascha Nem­tsov (Kla­vier)

 

Die­ses Pro­gramm ist eine musi­ka­lisch-lite­ra­ri­sche Aus­ein­an­der­set­zung mit dem The­ma „Flucht – Ver­fol­gung – Gewalt­er­fah­run­gen“. Im Mit­tel­punkt ste­hen Auf­trags­kom­po­si­tio­nen von zwei der erfolg­reichs­ten Ton­schöp­fe­rin­nen ihrer Genera­ti­on: Ali Gor­ji und Sarah Nem­tsov. Die beson­de­re Ver­bin­dung zwi­schen Text und Musik wird mit Wer­ken jüdi­scher Dich­ter aus der Holo­caust-Zeit bzw. Wer­ken ver­folg­ter jüdi­scher Kom­po­nis­ten her­vor­ge­bracht. Die Lie­der sind in deut­scher, nie­der­län­di­scher, jid­di­scher, hebräi­scher und per­si­scher Sprache.

Im Anschluss fin­det eine Podi­ums­dis­kus­si­on zum The­ma „Flucht – Ver­fol­gung – Gewalt­er­fah­run­gen“ mit Prof. Dr. Jascha Nem­tsov (Uni­ver­si­tät Pots­dam, Hoch­schu­le für Musik Wei­mar), Bir­git Ste­ckel­berg (Inte­gra­ti­on und Sozia­les, Lan­des­haupt­stadt Han­no­ver), Rab­bi­ner Dr. Gábor Len­gyel (Christ­lich-jüdi­scher Dia­log Nie­der­sach­sen, Leib­niz Uni­ver­si­tät Han­no­ver) und den Kom­po­nis­ten statt. Mode­ra­ti­on: Eliah Saka­kus­hev-von Bis­marck (Vil­la Seligmann)

 

 

P R O G R A M M

Sarah Nem­tsov (geb. 1980) — “heim­weh­ge­fie­dert” (2020) URAUFFÜHRUNG
Acht schlich­te Lie­der zu Gedich­ten von Hil­de Domin
(Finan­ziert von der Kunst­stif­tung NRW)

Johan­nes Brahms (1833–1897) — Zwei Gesän­ge op. 91
(Gestill­te Sehn­sucht, Geist­li­ches Wiegenlied)

Janot Ros­kin (1884–1946) — Drei jid­di­sche Lieder
(Das gol­de­ne Kalb, Das Gebet, Mein Spielen)

Adolf Busch (1891–1952) — Drei Lie­der op. 3a
(Nun die Schat­ten dun­keln, Won­ne der Weh­mut, Aus den Him­mel­sau­gen droben)

Ali Gor­ji (geb. 1978) — “recur­rence” (2020) URAUFFÜHRUNG
Text­ver­to­nun­gen nach Mari­am Mee­tra, Emma Kann und Han­nah Arendt
(finan­ziert von der Kunst­stif­tung NRW)

 

 

EIN HAUS HABE ICH IN MIR ERRICHTET

Von Miri­am Meetra

Stra­ßen, die sich lee­ren
vom Duft der Men­schen, von Lebens­far­ben,
einer nach dem ande­ren tre­ten wir ab.
Nie­mand ruft dort nach mir,
nie­mand betritt die Stra­ße.
Wir spre­chen durch Mau­ern mit­ein­an­der,
in einer Stadt, deren Him­mel
Kugeln blu­tig gefärbt haben …
Dei­ne Stim­me habe ich mir gemerkt,
nach jedem Tref­fer
schrei­en wir gemein­sam …
Wo soll ich mich ver­ber­gen?
Wo immer das Dach ein­stürzt, es fällt auf dich her­ab.
Das Dach die­ses Hau­ses stürzt seit Jah­ren schon über mir ein,
in allen Him­mels­rich­tun­gen ist es zer­bro­chen …
In mir habe ich ein Haus errich­tet
mit mei­nen Erin­ne­run­gen und Träu­men,
mein inners­tes Haus,
das ich nie ver­las­se.
Es ist mei­ne Zuflucht,
wenn ich kei­ne Anschrift habe,
wenn nie­mand mei­nen Namen kennt.
Ein Haus habe ich in mir errich­tet …
Sie fra­gen,
woher ich kom­me? Wo ich gebo­ren wur­de?
Sie fra­gen nicht, wo ich gelit­ten habe?
Wo ich lach­te,
wo ich wein­te,
wo ich mei­ne Freun­de ver­lor?
Ich bin mein eige­ner Aus­weis
aus Träu­men und Ängs­ten,
mit denen ich Flüs­se, Ber­ge und Flug­hä­fen pas­sier­te.
Augen, Erin­ne­run­gen, Kum­mer, Lachen,
mei­ne Liebs­ten und mei­ne Ängs­te
sind mei­ne Iden­ti­tät.
Jeder Mensch ist ein Haus in sich,
mit Spra­chen, die er spricht,
mit wie­der­erweck­ten Erinnerungen.

Über­set­zung: Susan­ne Baghestani

 

ERFAHREN SIE MEHR ZUM PROJEKT HIER

 

 

Geför­dert durch